
Teurer wird die britische Dividende nur für die, die in Großbritannien wohnen.
In den Tagen nach dem 26. November stand in jedem deutschsprachigen Newsletter zum Thema Auslandsgesellschaft derselbe Alarm: Die britische Dividendensteuer steigt, wer eine Limited hat, muss handeln, am besten vor dem 6. April.
Für die meisten Leser dieser Zeilen ist das schlicht falsch, und man kann in zwei Minuten nachlesen, warum.
Was ab April gilt
Die Änderung der Steuersätze auf Vermietung, Zinsen und Dividenden betrifft drei Einkunftsarten und zwei Stichtage.
| 2025/26 | ab 06.04.2026 | |
|---|---|---|
| Dividende, Basissatz | 8,75 % | 10,75 % |
| Dividende, höherer Satz | 33,75 % | 35,75 % |
| Dividende, Zusatzsatz | 39,35 % | 39,35 % |
| Freibetrag | 500 £ | 500 £ |
Der Zusatzsatz für die höchsten Einkommen bleibt stehen, der Freibetrag ebenfalls. Getroffen werden die beiden Sätze darunter, also der Bereich, in dem sich fast jeder Gesellschafter einer kleineren britischen Gesellschaft bewegt.
Ab dem 6. April 2027 folgen dann zwei weitere Blöcke: Zinserträge werden mit 22, 42 und 47 Prozent belegt, und Einkünfte aus Vermietung bekommen erstmals eigene Sätze, ebenfalls 22, 42 und 47 Prozent. Merk Dir die letzte Zeile. Sie kommt am Ende wieder.
Warum zwei Punkte hier mehr wiegen
Eine Dividende ist bereits versteuertes Geld. Auf Ebene der Gesellschaft sind bis zu 25 Prozent Körperschaftsteuer abgegangen, bevor überhaupt etwas ausgeschüttet werden kann.
Eckhard aus Bochum lebt seit elf Jahren in Manchester und führt dort eine kleine Softwaregesellschaft. Er zahlt sich ein niedriges Gehalt und den Rest als Dividende, wie es in Großbritannien üblich ist, und liegt im höheren Satz. Für hundert Pfund Gewinn seiner Gesellschaft sieht seine Rechnung so aus:
- Gewinn: 100 £
- Körperschaftsteuer 25 %: 25 £
- ausschüttbar: 75 £
- Dividendensteuer heute, 33,75 %: 25,31 £, es bleiben 49,69 £
- Dividendensteuer ab April, 35,75 %: 26,81 £, es bleiben 48,19 £
Seine Gesamtbelastung steigt von 50,31 auf 51,81 Prozent. Aus zwei Punkten auf der zweiten Ebene werden anderthalb Punkte auf das Ganze, und das Ganze lag vorher schon über der Hälfte. Bei 120.000 Pfund Jahresgewinn kostet ihn der Haushalt 1.800 Pfund.
Die Zeile, die Eckhard von Dir trennt
Die britische Dividendensteuer ist eine Einkommensteuer des Anteilseigners, keine Quellensteuer der Gesellschaft. Großbritannien behält auf Dividenden an Gebietsfremde nichts ein, und das seit Jahrzehnten. Es ist eines der stärksten Argumente für den Standort und es steht nicht zur Debatte.
Rüdiger aus Göttingen hält dieselbe Art von Gesellschaft, sitzt aber in Niedersachsen. Er zahlt in Großbritannien auf seine Dividende nichts, weder heute noch ab April. Zu Hause greift die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag, zusammen 26,375 Prozent, sofern er die Anteile im Privatvermögen hält.
- Gewinn: 100 £, Körperschaftsteuer 25 %: 25 £
- ausschüttbar: 75 £, deutsche Abgeltungsteuer 26,375 %: 19,78 £
- es bleiben 55,22 £, Gesamtbelastung 44,78 Prozent
Rüdiger behält von jeweils hundert Pfund Gewinn sieben Pfund mehr als Eckhard, der zwei Straßen weiter dasselbe Geschäft macht. Das ist keine Gestaltung, sondern die Aufteilung der Besteuerungsrechte im Abkommen, und der Haushalt vom 26. November vergrößert diesen Abstand, statt ihn zu schließen.
Herwig in Klosterneuburg zahlt österreichische Kapitalertragsteuer von 27,5 Prozent, also 20,63 £, und behält 54,37 £. Gesamtbelastung 45,63 Prozent.
Käthi in Herisau hält mehr als zehn Prozent und damit eine qualifizierte Beteiligung. In der Schweiz wird die Dividende nicht gesondert besteuert, sondern zum übrigen Einkommen gerechnet, auf Bundesebene zu 70 Prozent, kantonal je nach Kanton zu 50 bis 70 Prozent. Bei einer Grenzbelastung von 30 Prozent auf den erfassten Teil bleiben ihr rund 59 £ von hundert. Dieser Wert hängt aber am Kanton und an ihrem übrigen Einkommen, und in einem teuren Kanton liegt er deutlich niedriger. Wer eine Schweizer Rechnung braucht, rechnet sie mit dem eigenen Steuerfuß und nicht mit einem Durchschnitt.
In allen drei Fällen bleibt die Belastung unter der eines britisch Ansässigen. Wie Geld aus einer Auslandsgesellschaft überhaupt herauskommt und welche Wege vor dem Finanzamt bestehen, steht in unserem Fachwissen zur Gewinnentnahme aus der Auslandsfirma.
Die Zeile, die Dich trifft
Jetzt zurück zur Vermietung.
Einkünfte aus einer Immobilie werden dort besteuert, wo die Immobilie liegt. Immer. Das ist einer der wenigen Punkte im internationalen Steuerrecht, an dem nichts zu gestalten ist, und es gilt unabhängig davon, wo der Eigentümer wohnt.
Wer als Gebietsfremder eine britische Immobilie vermietet, ist in Großbritannien beschränkt steuerpflichtig und läuft dort über das Verfahren für nichtansässige Vermieter. Für ihn steigen die Sätze ab dem 6. April 2027 um zwei Punkte, auf 22, 42 und 47 Prozent.
Rüdiger aus Göttingen hat neben seiner Gesellschaft eine Zweizimmerwohnung in Leeds, die 14.400 Pfund im Jahr abwirft. Nach Kosten bleiben 9.600 Pfund zu versteuern. Im Basissatz zahlt er heute 20 Prozent, also 1.920 Pfund. Ab April 2027 sind es 22 Prozent, also 2.112 Pfund. Die Erhöhung, über die niemand schreibt, kostet ihn 192 Pfund im Jahr. Die Erhöhung, über die alle schreiben, kostet ihn nichts.
Der Betrag ist klein. Die Lehre ist es nicht: Was einen Gebietsfremden trifft, hängt nie an der Rechtsform und fast nie an der Ausschüttung. Es hängt daran, ob eine Einkunftsquelle im Land liegt.
Zum selben Stichtag ändert sich außerdem die Reihenfolge, in der Freibeträge auf die Einkunftsarten angerechnet werden. Sie gehen künftig zuerst gegen Arbeits-, Vermietungs- und Dividendeneinkünfte. Für kleine Vermietungsfälle mit gemischten Einkünften kann das mehr ausmachen als die zwei Punkte selbst.
Die einzige Zeile im Papier, die von Gebietsfremden spricht
Sie steht weit unten und lautet sinngemäß: Das nachrangige Recht werde geändert, um den Einbehaltssatz für das Verfahren für nichtansässige Vermieter an den neuen Basissatz für Vermietungseinkünfte anzupassen.
Wer dieses Verfahren nicht kennt, überliest den Satz. Es funktioniert so: Wer als Gebietsfremder eine britische Immobilie vermietet, bekommt die Miete grundsätzlich nicht brutto. Der Hausverwalter, und wenn es keinen gibt, der Mieter selbst, behält den Basissatz ein und führt ihn ab. Nur wer bei der britischen Finanzverwaltung eine Freigabe beantragt und erhält, bekommt die Miete ungekürzt und rechnet über die Steuererklärung ab.
Der Einbehalt liegt heute bei 20 Prozent. Ab April 2027 steigt er auf 22, weil er dem Basissatz für Vermietungseinkünfte folgt. Das ist keine Steuererhöhung im eigentlichen Sinn, weil der Einbehalt am Ende angerechnet wird. Es ist eine Liquiditätsverschiebung, und für den, der Zins und Tilgung aus der Miete bedient, ist das ein Unterschied.
Rüdiger aus Göttingen hat bei seiner Wohnung in Leeds keine Freigabe beantragt. Von den 1.200 Pfund Monatsmiete kommen bei ihm heute 960 an, ab April 2027 sind es 936. Über zwölf Monate fehlen ihm 288 Pfund an Liquidität, die er erst mit der Veranlagung wiedersieht. Der Antrag auf Bruttoauszahlung ist kostenlos und ein einziges Formular. Er ist die einzige britische Handlung in diesem ganzen Haushalt, die für einen Gebietsfremden Geld wert ist.
Wie hoch die neuen Sätze für Zwecke des Einbehalts genau festgesetzt werden, steht bislang nicht fest, weil die Änderung des nachrangigen Rechts noch aussteht. Das Papier kündigt sie an, mehr nicht.
Die Größenordnung des ganzen Pakets steht übrigens ebenfalls darin: 285 Millionen Pfund im Jahr 2026/27, danach über eine Milliarde jährlich, ab 2028/29 über zwei Milliarden. Der weitaus größere Teil davon kommt aus den Zins- und Vermietungssätzen ab 2027, nicht aus der Dividende ab 2026.
Woran britische Strukturen wirklich hängen
Nicht am Dividendensatz. Am Ort der Geschäftsleitung.
Eine britische Gesellschaft, deren Entscheidungen faktisch in München, Wien oder Zürich fallen, ist für die dortigen Finanzämter eine inländische Gesellschaft mit allen Folgen. Dann interessiert weder der britische Körperschaftsteuersatz noch der Dividendensatz, weil beide auf einen Sachverhalt angewendet würden, den es steuerlich so gar nicht gibt.
Wer eine britische Gesellschaft hält, sollte deshalb weniger Zeit mit dem Haushalt verbringen und mehr mit der Frage, wo die Beschlüsse gefasst und wie sie dokumentiert werden. Was dabei zählt, steht in unserem Fachwissen zu Betriebsstätte und Substanz.
Die britische Zahl, die für Dich gilt
Wenn Dich der Dividendensatz nicht betrifft, bleibt eine britische Zahl, die Dich sehr wohl betrifft: der Körperschaftsteuersatz von 25 Prozent auf Gewinne über 250.000 Pfund, mit einem Kleingewinnsatz von 19 Prozent bis 50.000 Pfund und einer Übergangszone dazwischen.
Dieser Satz ist im europäischen Vergleich nicht mehr niedrig. Irland liegt bei zwölfeinhalb, Zypern seit der Reform bei fünfzehn, die Emirate bei neun außerhalb der Freezone-Sätze. Großbritannien ist damit vom günstigen zum durchschnittlichen Standort geworden, und das ist eine Bewegung der letzten fünf Jahre.
Was den Standort trägt, ist deshalb nicht der Satz, sondern drei Eigenschaften: keine Quellensteuer auf Dividenden an Gebietsfremde, ein sehr dichtes Abkommensnetz und ein Gesellschaftsrecht, das jeder internationale Vertragspartner ohne Übersetzung versteht. Alles Weitere zum Standort steht auf unserer Seite zu Großbritannien.
Was jetzt zu tun ist
Wenn Du in Großbritannien ansässig bist: Rechne durch, ob eine Ausschüttung vor dem 6. April sinnvoll ist. Das ist eine Rechnung aus persönlichem Satz, Liquiditätslage und dem Jahr, in dem die Steuer fällig wird, keine Faustregel.
Wenn Du nicht dort ansässig bist: Diese Prüfung kannst Du Dir sparen. Prüfe stattdessen, ob Deine Gesellschaft ihre Beschlüsse dort fasst, wo sie ihren Sitz hat, und ob Du britische Einkunftsquellen hältst, die von den Sätzen ab 2027 erfasst werden.
Wenn beides auf Dich zutrifft, weil Du einen Umzug erwägst: Dann ist die Erhöhung ein Vorzeichen. Der Freibetrag ist von 5.000 auf 2.000, dann auf 1.000, dann auf 500 Pfund gefallen, die Sätze sind mehrfach gestiegen. Der Trend zeigt seit zehn Jahren in dieselbe Richtung, und wer eine britische Ansässigkeit einpreist, sollte ihn mit einpreisen.
Zwei Punkte auf einen Satz, der Dich nicht betrifft, sind keine Nachricht. Ein Standort, der sich in zehn Jahren von günstig nach durchschnittlich bewegt hat, ist eine.