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Ein grauhaariger Mann im hellen Hemd und eine Frau im olivgrünen Kleid sitzen auf einer hellen Decke unter großen Regenbäumen in einem tropischen Park in Singapur und lächeln in die Kamera

Singapur verlangt bei der Jahresmeldung jetzt eine Bestätigung jeder Angabe und löscht schneller. Was Inhaber einer Pte Ltd seit dem 20. Oktober wissen müssen

Seit dem 20. Oktober 2026 gilt in Singapur die zweite Stufe der Reform des Gesellschaftsrechts. Die Jahresmeldung wird zur Bestätigung aller Registerangaben und fragt, wer die Rolle des CEO ausübt. Eine Löschung dauert nur noch zwei Monate, und die Wiederherstellung hat neue Grenzen. Für Inhaber in Deutschland, Österreich und der Schweiz zählt vor allem die CEO-Frage.

Singapur hat sein Gesellschaftsrecht in zwei Schritten umgebaut, und der zweite Schritt ist seit dem 20. Oktober 2026 in Kraft. Die Behörde ACRA hat das am 6. Oktober angekündigt. Grundlage ist der Corporate and Accounting Laws (Amendment) Act 2025, den das Parlament am 5. November 2025 beschlossen hat.

Für eine Pte Ltd, die ein Inhaber aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz hält, ändern sich vier Dinge. Die Jahresmeldung wird zur Bestätigung aller Registerangaben und fragt, wer die Rolle des CEO ausübt. Der Registersitz muss keine festen Öffnungszeiten mehr haben. Eine Löschung geht deutlich schneller. Und wer eine gelöschte Gesellschaft zurückholen will, stößt auf neue Grenzen.

Das klingt nach Verwaltung in Singapur. Eine der vier Änderungen reicht aber bis an Deinen Schreibtisch zu Hause.

Was im Mai kam und was jetzt dazukommt

Die erste Stufe gilt seit dem 6. Mai 2026. ACRA hat sie im April beschrieben: Direktoren, die ihre Pflichten verletzen, riskieren seither bis zu 20.000 Singapur-Dollar Geldstrafe statt 5.000, bei schweren Verstößen zusätzlich bis zu zwölf Monate Haft. Wer wegen Geldwäsche verurteilt ist, darf kein Direktor mehr sein.

Die zweite Stufe betrifft nicht die Strafen, sondern den Alltag einer Gesellschaft: was sie jedes Jahr meldet, wie ihr Sitz funktioniert und wie sie endet. Für Wirtschaftsprüfer gibt es eigene Punkte, die Inhaber einer Pte Ltd nicht betreffen.

Die Jahresmeldung bestätigt jetzt alles

Jede Gesellschaft in Singapur reicht einmal im Jahr eine Annual Return bei ACRA ein, auch wenn sie ruht oder keine Steuern zahlt. Eine nicht börsennotierte Pte Ltd hat dafür nach den Vorgaben von ACRA sieben Monate nach Ende ihres Geschäftsjahres Zeit. Bei einem Geschäftsjahr bis zum 31. Dezember 2025 war das der 31. Juli 2026.

Neu ist, was in der Meldung steht. Seit dem 20. Oktober bestätigt der Einreicher, dass die zuletzt an ACRA gemeldeten Angaben zu Direktoren, CEO, Sekretär, Prüfer und Gesellschaftern stimmen: Namen, Ausweisdaten, Staatsangehörigkeit, Kontaktadresse, Bestellungsdaten, Registersitz und Beteiligungen. Bisher war die Meldung vor allem ein Formular über die Gesellschaft selbst. Jetzt ist sie eine jährliche Erklärung, dass das Register richtig ist.

Wer vorher etwas ändern muss, ändert es in Bizfile, dem Onlineportal von ACRA, und reicht erst dann ein. Das betrifft vor allem Gesellschaften, deren Direktor über einen Dienstleister gestellt wird. Über die Registerpflichten bei Nominee-Direktoren haben wir im September 2025 geschrieben. Die neue Bestätigung macht aus jedem Registereintrag eine Angabe, die jedes Jahr ausdrücklich für richtig erklärt wird.

Verspätung kostet nach der Übersicht von ACRA 300 Singapur-Dollar bis drei Monate nach Fristende, danach 600. Daneben kann ACRA weitergehen: Sie kann statt einer Anklage eine Vergleichszahlung anbieten, im Beispiel der Behörde mindestens 500 Dollar je verspäteter Pflicht, oder Gesellschaft und Direktoren vor Gericht bringen. Wer mehrfach zu spät kommt, landet eher dort.

Die Frage nach dem CEO

Die eigentliche Neuigkeit ist eine einzige zusätzliche Frage im Formular. Der Einreicher muss angeben, ob jemand in der Gesellschaft die Rolle des Chief Executive Officer ausübt. Gefragt wird nach der Person, die diese Rolle ausübt, nicht nach einem Titel auf der Visitenkarte.

Für Singapur ist das eine Frage der Transparenz. Für Dich ist es eine Frage der Steuer. Denn die Antwort beschreibt schwarz auf weiß, wo die Gesellschaft geführt wird.

In Deutschland ist eine Kapitalgesellschaft unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig, wenn sie ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland hat (§ 1 KStG). Geschäftsleitung ist nach § 10 AO der Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung. Wenn die Person, die in der Jahresmeldung als CEO steht oder dort hätte stehen müssen, in Deutschland wohnt und von dort aus entscheidet, liegt dieser Mittelpunkt schnell in Deutschland. Dann zahlt die Pte Ltd deutsche Körperschaftsteuer auf ihren gesamten Gewinn, und der Vorteil des Standorts Singapur ist weg.

Österreich formuliert es fast wortgleich. Unbeschränkt steuerpflichtig sind Körperschaften mit Geschäftsleitung oder Sitz im Inland (§ 1 Abs. 2 KStG), und Ort der Geschäftsleitung ist der Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung (§ 27 Abs. 2 BAO). Die Schweiz knüpft an die tatsächliche Verwaltung an (Art. 50 DBG).

Neu ist diese Rechtslage nicht. Unsere Übersicht zur Pte Ltd sagt deshalb auch, dass die Struktur funktioniert, wenn Dein steuerlicher Wohnsitz außerhalb Deutschlands und Österreichs liegt. Neu ist, dass Singapur jetzt jedes Jahr schriftlich fragt, wer führt. Bisher konnte man die Frage offenlassen. Jetzt gibt es auf sie eine Antwort mit Datum, und eine falsche Antwort ist in Singapur eine falsche Erklärung gegenüber einer Behörde.

Der Registersitz muss nicht mehr geöffnet sein

Bis zum 19. Oktober musste der Registersitz einer Gesellschaft an jedem Geschäftstag mindestens drei Stunden für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Der Änderungsakt streicht diese Pflicht aus Section 142 des Companies Act. Die Gesellschaft bestimmt die Öffnungszeiten selbst.

Die Einsicht in die Unterlagen bleibt aber. Wer Bücher oder Register einsehen will, kündigt das mit angemessener Frist an, und dann muss die Gesellschaft die Unterlagen an den betreffenden Geschäftstagen mindestens zwei Stunden bereithalten. Eine neue Adresse meldet sie innerhalb von 14 Tagen, sonst drohen Gesellschaft und verantwortlichen Organen bis zu 5.000 Dollar Strafe (neue Section 143).

Für die meisten Halter, deren Sitz bei einem Dienstleister liegt, ist das eine Erleichterung für den Dienstleister. Am Substanzbild ändert es nichts. Ein Registersitz war nie ein Büro, und der Unterschied zwischen Anschrift und kaufmännisch eingerichtetem Geschäftsbetrieb ist in Betriebsstätte und Substanz beschrieben.

Löschen geht jetzt schneller

Wer seine Pte Ltd nicht mehr braucht, kann sie bei ACRA löschen lassen. Die Bedingungen nennt die Anleitung der Behörde: kein Geschäft mehr, keine Schulden, keine Vermögenswerte, keine offenen Verfahren, keine Belastungen im Register, und alle oder die Mehrheit der Direktoren stimmen zu. Die Gebühr ist null.

Für Anträge seit dem 20. Oktober dauert das Verfahren mindestens zwei Monate statt drei. ACRA veröffentlicht die geplante Löschung im Amtsblatt und schickt die Mitteilung an den Registersitz und an die Wohnadressen der Organe. Dann haben Organe, Gläubiger und andere Beteiligte 60 Tage für einen Einspruch (neue Section 344A). Kommt keiner, wird die Gesellschaft gelöscht.

Auch ACRA selbst kann löschen, wenn sie annimmt, dass eine Gesellschaft nicht mehr tätig ist. Diese Fristen hat der Änderungsakt halbiert: Die Behörde wartet auf ihr Schreiben jetzt 15 Tage statt 30 und kann die Löschung danach im Amtsblatt ankündigen (Section 344). Wer also Post von ACRA an einer alten Adresse liegen lässt, hat weniger Zeit als früher.

Zwei Folgen sind leicht zu übersehen. Eine Gesellschaft ist nun genau zum Datum und zur Uhrzeit aufgelöst, zu der ACRA sie löscht, und das Amtsblatt nennt beides. Und bei einer Löschung durch ACRA besteht die Haftung von Organen und Gesellschaftern fort, als wäre die Gesellschaft nicht aufgelöst (Section 344 Abs. 5B). Steuerguthaben, die beim Erlöschen noch offen sind, gehen nach ACRA an das staatliche Insolvency and Public Trustee’s Office. Die Gesellschafter können sie dort zurückverlangen, gegebenenfalls gegen Gebühr.

Zurückholen hat neue Grenzen

Wer eine gelöschte Gesellschaft wiederbeleben will, etwa weil noch Geld auf einem Konto lag oder ein Vertrag weiterläuft, kann das beim Registrar oder beim Gericht beantragen. Beim Gericht kann das jeder, der sich durch die Löschung beschwert fühlt, und zwar innerhalb von sechs Jahren (neue Section 344CA).

Neu ist ein Ablehnungsgrund, der Gericht und Registrar bindet. Sie müssen die Wiederherstellung verweigern, wenn die Gesellschaft danach wahrscheinlich für unrechtmäßige Zwecke genutzt würde oder wenn sie der nationalen Sicherheit oder dem nationalen Interesse widerspräche. Für eine normale Handelsgesellschaft ist das keine Hürde. Für alte Gesellschaften mit unklarer Geschichte, die nach einer Löschung zurückgekauft werden sollen, kann es eine werden.

Jannik in Lübeck, Margit in Linz, Mauro in Bellinzona

Jannik wohnt in Lübeck und hält seit drei Jahren alle Anteile einer Pte Ltd, die Software an Kunden in Asien verkauft. Direktor vor Ort ist ein Dienstleister, die Verträge verhandelt Jannik selbst, von zu Hause aus. Bisher hat in der Jahresmeldung niemand nach einem CEO gefragt. In der nächsten Meldung muss jemand angeben, ob es einen gibt. Schreibt der Dienstleister seinen eigenen Mitarbeiter hinein, stimmt die Angabe nicht. Schreibt er Jannik hinein, steht bei ACRA, dass ein Mann aus Lübeck die Gesellschaft führt. Die ehrliche Antwort klärt die Lage nicht, sie macht sie sichtbar. Jannik sollte die Frage vor der nächsten Meldung mit einem Steuerberater klären, nicht danach.

Will Jannik die Gesellschaft stattdessen auflösen, ist das in Deutschland ein Steuerfall. Er ist mit mindestens 1 Prozent beteiligt, und nach § 17 Abs. 4 EStG gilt die Auflösung einer Kapitalgesellschaft als Veräußerung der Anteile. Was ihm aus dem Vermögen zugeteilt wird, gilt als Veräußerungspreis, soweit es nicht ohnehin als Dividende erfasst wird. Den Erwerb der Beteiligung hätte er nach § 138 Abs. 2 Nr. 3 AO melden müssen, mit der Steuererklärung, spätestens 14 Monate nach Ablauf des Jahres. Wie das geht und was das Versäumnis kostet, steht in unserem Beitrag zur Meldepflicht für Auslandsbeteiligungen.

Margit lebt in Linz und betreibt über eine Pte Ltd einen Handel mit Ersatzteilen in Südostasien. Sie ist die einzige Person, die Lieferanten auswählt und Preise festlegt. Für sie gilt dieselbe Rechnung nach österreichischem Recht: Liegt der Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung in Linz, ist die Pte Ltd in Österreich unbeschränkt steuerpflichtig. Die neue Frage nach dem CEO ändert daran nichts, aber sie legt jedes Jahr fest, wer diese Rolle hat.

Mauro wohnt in Bellinzona und hält eine Pte Ltd, die seit einem Jahr ruht. Er möchte sie löschen lassen und das restliche Guthaben herausholen. Das Verfahren in Singapur ist jetzt kürzer, aber die Gesellschaft muss vorher leer sein, also schüttet sie das Guthaben vorher aus. In der Schweiz sind Dividenden und Liquidationsüberschüsse aus Beteiligungen steuerbares Einkommen (Art. 20 Abs. 1 Bst. c DBG). Weil Mauro mehr als 10 Prozent hält, sind sie bei der direkten Bundessteuer zu 70 Prozent steuerbar (Art. 20 Abs. 1bis DBG). Was Mauro zurückbekommt, gehört also in seine Steuererklärung, auch wenn es aus einer Gesellschaft kommt, die bald nicht mehr existiert.

Ehrlich unklar

Wie ACRA die CEO-Frage bei sehr kleinen Gesellschaften auslegt, ist offen. Die Ankündigung sagt nur, dass gefragt wird, ob jemand die Rolle des CEO ausübt. Ob ein Gesellschafter, der nur Verträge unterschreibt, darunter fällt, beantwortet sie nicht. Ein Dienstleister wird hier eher vorsichtig formulieren, und das ist richtig so.

Ob und wann das Finanzamt die Angaben aus Singapur sieht, ist eine zweite Frage. Der Änderungsakt regelt neu, wer Auszüge aus den Registern der Direktoren und CEOs bei ACRA bekommt, aber keinen Austausch mit Steuerbehörden im Ausland. Wer seine Struktur auf die Hoffnung baut, dass die Antwort in Singapur bleibt, baut trotzdem auf etwas, das Singapur nicht verspricht. Wie Auslandsgewinne dort überhaupt besteuert werden, haben wir im Mai beschrieben.

Drei Dinge vor der nächsten Jahresmeldung

  1. Prüfe die Angaben in Bizfile, bevor Dein Dienstleister die nächste Meldung einreicht: Direktoren, Sekretär, Gesellschafter, Anschriften, Beteiligungen. Was falsch ist, wird vorher geändert, nicht danach.
  2. Kläre, wer die Rolle des CEO ausübt, und zwar so, dass die Antwort in Singapur und die Lage in Deinem Wohnsitzstaat zusammenpassen. Wenn sie es nicht tun, ist die Struktur das Problem, nicht das Formular.
  3. Lass alte Adressen nicht stehen. Mitteilungen über eine Löschung gehen an den Registersitz und an die Wohnadressen der Organe, und die Frist dafür ist jetzt kürzer. Wer umzieht, meldet es innerhalb von 14 Tagen.

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