
Singapur führt seit Juni ein Register für Nominee-Direktoren. Der gekaufte Direktor steht jetzt im Auszug.
Es gibt eine Zeile im Gründungspaket, über die niemand lange nachdenkt. Sie steht unter Sonstiges, sie kostet zwischen zwölfhundert und zweitausend Dollar im Jahr, und sie heißt local resident director. Singapur verlangt, dass mindestens ein Direktor dort ansässig ist. Wer selbst nicht dort wohnt, kauft diese Ansässigkeit dazu.
Jahrzehntelang war das ein technischer Vorgang. Ein Name, eine Unterschrift, eine jährliche Rechnung. Der Mensch dahinter erschien im Register wie jeder andere Direktor, und niemand konnte von außen erkennen, dass er die Gesellschaft nie gesehen hatte.
Seit Juni steht es im Auszug.
Zwei Neuerungen, die zusammengehören
Der Corporate Service Providers Act 2024 gilt seit dem 9. Juni 2025.
Die Dienstleister. Wer in oder aus Singapur heraus Gesellschaftsdienstleistungen erbringt, muss sich bei der Registerbehörde ACRA registrieren und die Pflichten zur Geldwäscheprävention einhalten. Nicht registrierte Anbieter dürfen diese Leistungen nicht mehr erbringen. Wer über einen Anbieter gründet, der nicht auf der Liste steht, hat ein Problem, das keine Gesellschaftsstruktur löst.
Die Nominee-Verhältnisse. Seit dem 16. Juni führt ACRA Zentralregister für Nominee-Direktoren und Nominee-Gesellschafter. Jede Gesellschaft führt zusätzlich ein eigenes Register am Sitz. Neugründungen melden bei der Gründung, Änderungen innerhalb von zwei Werktagen.
Der Punkt, der die Praxis verändert: Die Tatsache, dass jemand als Nominee handelt, wird Teil des Datenbestands und ist im Geschäftsprofil sichtbar. Die vollständigen Angaben zum Hintermann bleiben Behörden vorbehalten. Die Rolle selbst ist nicht mehr unsichtbar.
Jost in Detmold, und was die Sichtbarkeit wert ist
Jost führt eine Singapore Pte Ltd, die Ersatzteile nach Südostasien vertreibt. Gewinn 400.000 Singapur-Dollar. Er ist selbst nicht Direktor, der einzige Direktor ist ein Mitarbeiter seines Agenten in Singapur, Kostenpunkt 1.800 Euro im Jahr. Entschieden wird in Detmold.
Was Singapur nimmt. Bei 400.000 Singapur-Dollar Gewinn greift die Teilbefreiung: 75 Prozent auf die ersten 10.000, 50 Prozent auf die nächsten 190.000, zusammen 102.500 steuerfrei. Auf die verbleibenden 297.500 fallen 17 Prozent an, also 50.575 Singapur-Dollar. Bei einem Kurs von 1,50 Singapur-Dollar je Euro sind das rund 33.700 Euro auf einen Gewinn von 266.700 Euro, eine Belastung von 12,6 Prozent.
Was Deutschland nähme. Führt jemand den Nachweis, dass die Geschäftsleitung in Detmold liegt, ist die Gesellschaft dort unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig. Bei 15,825 Prozent Körperschaftsteuer samt Solidaritätszuschlag und einem Hebesatz von 425 Prozent, also 14,875 Prozent Gewerbesteuer, trägt sie zusammen 30,7 Prozent. Auf 266.700 Euro sind das 81.900 Euro, abzüglich der anrechenbaren singapurischen Steuer. Bleiben rund 48.200 Euro Unterschied. Jedes Jahr.
Und genau diesen Nachweis erleichtert das neue Register. Ein Geschäftsprofil, in dem der einzige Direktor als Nominee markiert ist, sagt einer Behörde in einem Satz, was sie vorher aus Indizien zusammensuchen musste: Hier handelt jemand nach Weisung, und die Weisung kommt von woanders.
Die 1.800 Euro waren nie der Preis des Nominees. Sie waren der Preis dafür, eine 48.200-Euro-Frage nicht stellen zu müssen. Dieser Preis ist gestiegen.
Der Unterschied zwischen einem Nominee und einem Direktor
Der Begriff wird in Angeboten bewusst unscharf verwendet, deshalb einmal sauber getrennt.
Ein Direktor trägt gesellschaftsrechtliche Pflichten: Sorgfalt, Treue, Haftung gegenüber der Gesellschaft und in bestimmten Fällen gegenüber Gläubigern. Er entscheidet. Dass er dabei auf den Rat des Gesellschafters hört, ist normal und ändert an seiner Stellung nichts.
Ein Nominee ist ein Direktor, der sich vertraglich verpflichtet hat, nach Weisung zu handeln. Gesellschaftsrechtlich bleibt er voll verantwortlich, wirtschaftlich ist er es nicht. Diese Lücke zwischen rechtlicher Stellung und tatsächlicher Rolle macht das Register sichtbar.
Für Dich als Gesellschafter hat das eine Kehrseite, die selten ausgesprochen wird. Wer die Weisung erteilt, führt die Gesellschaft. Wer sie von seinem Wohnort aus erteilt, verlegt den Ort der Geschäftsleitung dorthin. Das Register belegt jetzt schriftlich, dass eine Weisungsbeziehung besteht.
Drei Konstellationen
Nominee plus Du selbst als Direktor. Wenig Wirkung. Die Rolle wird gemeldet, die Gesellschaft hat einen echten Entscheider, und das ist im Zweifel genau das Bild, das Du zeigen willst.
Der Nominee ist Dein einziger Direktor. Das ist Josts Fall und die schwächste Konstellation. Sie wird jetzt sichtbar, und sie ist zugleich die teuerste.
Beteiligung über eine Zwischengesellschaft. Auch Nominee-Gesellschafter sind erfasst. Die Kette wird nicht länger dadurch, dass man ein Glied dazwischenschiebt, sie wird nur teurer.
Was ein registrierter Dienstleister anders macht
Die Registrierungspflicht wirkt indirekt, aber stark, weil sie den Anbieter zwischen Dich und die Behörde stellt und ihn haftbar macht. Drei Veränderungen sind schon zu beobachten:
- Die Aufnahme dauert länger. Wo früher Ausweiskopie und Adressnachweis genügten, kommen jetzt Fragen zur Herkunft der Mittel, zum Geschäftsmodell und zu den Zahlungsströmen. Dieselbe Prüfung wie bei einer Bank, nur früher.
- Nominee-Mandate werden selektiver vergeben. Ein Anbieter, dessen Mitarbeiter im Register steht und dessen Rolle offengelegt wird, übernimmt ein sichtbares Risiko. Er lässt es sich bezahlen und lehnt häufiger ab.
- Bestandsmandate werden nachgeprüft. Wer seit Jahren Kunde ist, bekommt Fragebögen zu Sachverhalten, die bei der Gründung nie erhoben wurden. Das ist kein Misstrauen, sondern die Nachholung einer Pflicht, die der Anbieter jetzt selbst schuldet.
Wer darauf mit Zurückhaltung reagiert, macht es schlimmer. Die schnellste Antwort ist die vollständige.
Was die Meldung tatsächlich verlangt
Gemeldet werden für jeden Nominee-Direktor und jeden Nominee-Gesellschafter die Angaben zur Person, die Tatsache der Nominee-Stellung und die Angaben zu demjenigen, für den gehandelt wird. Die Gesellschaft führt dieselben Angaben zusätzlich in einem eigenen Register am Sitz, das auf Verlangen vorzulegen ist.
Zwei Punkte gehen in der Praxis regelmäßig schief. Der erste ist die Frist. Zwei Werktage für jede Änderung sind kurz, und eine Änderung ist auch der Wechsel des Mitarbeiters beim Agenten, nicht nur der Wechsel des Gesellschafters. Der zweite ist die Kette. Wird der Nominee für eine Gesellschaft tätig, die ihrerseits treuhänderisch hält, ist nicht diese Gesellschaft der Hintermann, sondern die natürliche Person am Ende. Register, die eine Zwischengesellschaft ausweisen, sind unvollständig, und das fällt spätestens beim nächsten Bankgespräch auf.
Warum Singapur das tut
Singapur wirbt nicht um Offshore-Kundschaft. Der Standort lebt vom Gegenteil, von einem Ruf, der Bankbeziehungen, Handelsfinanzierung und Fondsstrukturen trägt. Dieser Ruf hat zwei Kratzer bekommen, einen durch einen großen Geldwäschefall mit Immobilien und Gesellschaften, einen durch die Bewertung internationaler Prüfer, die bei Gesellschaftsdienstleistern Lücken sahen.
Der Corporate Service Providers Act ist die Antwort. Er richtet sich nicht gegen ausländische Gründer, sondern gegen anonyme Ketten. Wer eine echte Gesellschaft mit echtem Geschäft führt, verliert nichts. Wer eine Hülle mit einem gekauften Namen betreibt, verliert eine Tarnung, die er nie hätte brauchen sollen.
Dieselbe Richtung an fünf Standorten
| Standort | Wer sieht die wirtschaftlich Berechtigten |
|---|---|
| Singapur | Behörden; Nominee-Status im Geschäftsprofil sichtbar |
| Hongkong | Register am Sitz, Einsicht für Behörden und Strafverfolgung |
| Cayman Islands | Register bei der Behörde, Zugang bei berechtigtem Interesse |
| British Virgin Islands | Register beim Registrar, Zugang für Behörden |
| Vereinigtes Königreich | öffentlich einsehbar, mit Identitätsprüfung |
Das Tempo unterscheidet sich, die Richtung nicht. Wer eine Struktur baut, die davon lebt, dass niemand den Hintermann kennt, baut gegen eine Entwicklung, die in fünf Jahren jeden dieser Standorte erreicht haben wird. Welche Daten wohin fließen und welche Konten der automatische Austausch nicht erfasst, steht in unserer Übersicht zu den CRS-Ländern.
Zwei Anforderungen an Deinen Dienstleister
Fordere die Bestätigung an, dass er bei ACRA registriert ist, und einen aktuellen Auszug aus dem Geschäftsprofil Deiner Gesellschaft. Im zweiten siehst Du, was ein Dritter sieht.
Für Österreich gilt dieselbe Rechnung wie für Jost über den Ort der Geschäftsleitung, ergänzt um die Hinzurechnung bei niedrig besteuerten passiven Einkünften. In der Schweiz ist der Ort der tatsächlichen Verwaltung der zentrale Anknüpfungspunkt, und die Behörden prüfen ihn seit Jahren genauer. Liegt Dein Wohnsitz bereits außerhalb dieser drei Länder, ist die neue Transparenz eher Vorteil als Nachteil, weil eine sauber gemeldete Struktur mit nachvollziehbaren Rollen genau das ist, was Banken sehen wollen. Was die Singapur Pte Ltd im Betrieb verlangt, steht auf ihrer Produktseite.
Und dann stell Dir die Frage, die dieses Register eigentlich stellt. Wenn morgen jemand fragt, wer diese Gesellschaft führt, und die ehrliche Antwort bist Du selbst von einem Schreibtisch in Ostwestfalen aus, dann ist der Nominee nicht Dein Problem. Er ist der sichtbarste Teil davon.