
Deine Lizenz in der Freezone ist nicht die Liste. Der Irrtum kostet fünf Jahre.
Wer in einer Freezone der Emirate gründet, bekommt eine Lizenz, und auf dieser Lizenz stehen Tätigkeiten. Bei manchen Freezones sind es zwanzig, bei anderen sechzig. Die Freezone hat sie genehmigt, sie kosten Gebühr, sie stehen im Register.
Diese Liste hat mit dem Nullsatz nichts zu tun.
Der Nullsatz hängt an einer anderen Liste, und die kommt vom Finanzministerium. Seit dem 28. August 2025 liegt sie in einer neuen Fassung vor, als Ministerialentscheidung Nr. 229 von 2025. Sie hebt die Fassung von 2023 auf und ist sechs Seiten lang. Der zweite Artikel, erster Absatz, ist die ganze Nachricht: dreizehn Buchstaben, a bis m, und der vierzehnte für Nebentätigkeiten.
Lies ihn. Es dauert vier Minuten und beantwortet die Frage, um die es bei Deiner Struktur geht.
Was auf der Liste steht
Herstellung. Verarbeitung. Handel mit qualifizierenden Rohstoffen, also Metallen, Mineralien, Industriechemikalien, Energie- und Agrarrohstoffen mit notiertem Preis, dazu Umweltzertifikate. Das Halten von Anteilen und Wertpapieren zu Anlagezwecken, wobei „zu Anlagezwecken“ heißt: mindestens zwölf Monate ununterbrochen gehalten. Eigentum, Betrieb und Management von Schiffen. Rückversicherung. Fondsverwaltung. Vermögens- und Anlageverwaltung. Zentralfunktionen für verbundene Unternehmen. Treasury und Finanzierung für verbundene Unternehmen oder auf eigene Rechnung. Finanzierung und Leasing von Flugzeugen. Vertrieb von Waren in oder aus einer ausgewiesenen Zone. Logistikdienstleistungen.
Das ist alles.
Was nicht darauf steht
Beratung. Marketing. Softwareentwicklung. Onlinekurse. Agenturleistungen. Coaching. Grafik. Übersetzung. Buchhaltung. Ingenieurleistungen. Immobilienvermittlung. Handel mit allem, was kein qualifizierender Rohstoff ist, außerhalb der Vertriebsregel.
Das ist die Tätigkeit der allermeisten Menschen, die sich eine Gesellschaft in einer Freezone haben verkaufen lassen. Nicht weil jemand gelogen hätte, sondern weil die Freezone die Lizenz erteilt und das Ministerium die Steuer bestimmt, und niemand das eine für das andere hält, außer dem Kunden.
Und dann steht da noch ein Satz, der für sich genommen mehr Strukturen erledigt als die ganze Liste: Geschäfte mit natürlichen Personen sind ausgeschlossen. Ausnahmen gibt es nur für Schiffe, Fondsverwaltung, Vermögensverwaltung und Flugzeuge. Wer an Verbraucher verkauft, ist damit heraus, egal was er verkauft.
Ebenfalls ausgeschlossen: Bankgeschäfte, Versicherungsgeschäfte, Finanzierung und Leasing außerhalb der genannten Fälle, und Eigentum oder Nutzung von Grundbesitz, mit einer einzigen Ausnahme für Gewerbeimmobilien in einer Freezone im Geschäft mit einer anderen Freezone-Gesellschaft.
Auch der Vertrieb, der auf der Liste steht, steht dort mit Bedingungen: in oder aus einer ausgewiesenen Zone, die Waren müssen über diese Zone ins Land gekommen sein, und der Abnehmer muss sie weiterverkaufen, verarbeiten oder verändern. Ein Endkunde ist kein Abnehmer im Sinne dieser Regel.
Detlev verkauft an Verbraucher und zahlt fünf Jahre
Detlev ist 2023 von Wolfsburg nach Dubai gezogen und betreibt seither einen Onlinehandel mit Umrüstsätzen für Fahrräder. Die Gesellschaft sitzt in einer Freezone, das Lager liegt in einer ausgewiesenen Zone, die Kunden sind Privatleute in Deutschland, Österreich, Frankreich und den Niederlanden. Umsatz 12 Millionen Dirham, Gewinn 3 Millionen, gerechnet mit vier Dirham je Euro also rund 750.000 Euro.
Zwei der Bedingungen reißt er gleichzeitig. Seine Abnehmer sind natürliche Personen, das ist eine ausgeschlossene Tätigkeit. Und sie verkaufen die Ware nicht weiter, verarbeiten sie nicht und verändern sie nicht, die Vertriebsregel greift also auch nicht.
Bleibt die Geringfügigkeitsgrenze. Sie liegt bei 5 Prozent des Gesamtumsatzes oder 5 Millionen Dirham, je nachdem, welcher Betrag niedriger ist. Bei Detlev sind 5 Prozent von 12 Millionen gleich 600.000 Dirham. Sein nicht qualifizierender Umsatz beträgt 12 Millionen. Er reißt die Grenze um das Zwanzigfache.
Detlev ist damit keine qualifizierende Freezone-Person. Er zahlt neun Prozent auf alles über 375.000 Dirham, also auf 2.625.000, das sind 236.250 Dirham im Jahr oder rund 59.000 Euro.
Und jetzt die Zeile, die den Unterschied macht. Wer die Bedingungen zu irgendeinem Zeitpunkt eines Steuerzeitraums verletzt, verliert den Status ab Beginn dieses Zeitraums und für die vier folgenden Steuerzeiträume. Nicht für das Jahr. Für fünf.
Selbst wenn Detlev sein Geschäft im nächsten Jahr komplett auf gewerbliche Wiederverkäufer umstellt, zahlt er bis 2029 neun Prozent. Fünf mal 236.250, zusammen 1.181.250 Dirham, rund 295.000 Euro.
Hilmar reißt die Grenze mit anderthalb Prozent seines Umsatzes
Der zweite Fall ist der gefährlichere, weil er den trifft, der alles richtig gemacht hat.
Hilmar führt aus einer Freezone die Zentralfunktionen einer Firmengruppe: Konzernleitung, Einkauf, Planung, Risikosteuerung für verbundene Unternehmen. Das steht auf der Liste, Buchstabe i. Umsatz aus diesen Leistungen: 40 Millionen Dirham.
Nebenher berät er einen fremden Dritten, einen alten Geschäftsfreund, für 2,5 Millionen Dirham im Jahr. Beratung steht nicht auf der Liste.
Die Geringfügigkeitsgrenze: 5 Prozent von 42,5 Millionen sind 2.125.000 Dirham, und 5 Millionen sind mehr, also gilt der niedrigere Wert. Hilmars nicht qualifizierender Umsatz von 2,5 Millionen liegt darüber. Um 375.000 Dirham, das sind knapp 94.000 Euro.
Die Folge trifft nicht die 2,5 Millionen. Sie trifft alles. Neun Prozent auf 42.125.000 Dirham, das sind 3.791.250 Dirham im Jahr, und wieder fünf Jahre lang. Zusammen 18.956.250 Dirham oder rund 4,7 Millionen Euro.
Ein Beratungsmandat von 2,5 Millionen kostet ihn 4,7 Millionen. Hätte er es in eine eigene Gesellschaft außerhalb der Freezone gelegt und dort neun Prozent gezahlt, wären es 225.000 Dirham gewesen.
Das ist der eigentliche Grund, diese Liste zu lesen. Nicht weil sie kompliziert wäre, sondern weil der Fehler so klein sein darf und die Folge so groß ist.
Die Bedingung, die 2025 dazugekommen ist
Neben der Tätigkeitsliste und der Geringfügigkeitsgrenze verlangt die neue Entscheidung ausdrücklich einen geprüften Jahresabschluss. Ohne ihn keine qualifizierende Freezone-Person, unabhängig davon, was Du tust.
Das ist keine Formalie, sondern eine laufende Kostenposition und eine Frist, die man reißen kann. Wer bisher mit einer einfachen Buchführung gearbeitet hat, hat ab sofort einen Prüfer im Budget.
Warum das für Wolfsburg, Wels und Luzern kaum eine Rolle spielt
Und hier kommt der Punkt, an dem die ganze Debatte für viele Leser den Boden verliert.
Solange Du in Deutschland wohnst, ändert die Wahl zwischen null und neun Prozent an Deinem Ergebnis fast nichts. Beide Sätze liegen unter der deutschen Niedrigsteuergrenze von 15 Prozent. Ist Deine Tätigkeit nach dem Aktivkatalog des Außensteuergesetzes passiv, werden Dir die Gewinne zugerechnet und mit Deinem persönlichen Satz besteuert, ob Du ausschüttest oder nicht. Die emiratische Steuer wird angerechnet, und das war es. Bei 750.000 Euro Gewinn und Spitzensteuersatz sind das 332.325 Euro, ob Dubai null oder neun genommen hat.
In Österreich hängt es daran, ob eine Körperschaft beherrscht, denn nur die kann es dort. Wer privat hält, ist außen vor. In der Schweiz gibt es diese Zurechnung gar nicht. Beide haben dafür das Problem am Ort der Geschäftsleitung, und das haben wir an anderer Stelle ausgerechnet.
Die Liste des Ministeriums ist also eine Frage für Menschen, die tatsächlich umgezogen sind. Für alle anderen ist sie eine Nebenrechnung zu einer Frage, die sie noch gar nicht gestellt haben.
Was daran ehrlich unklar ist
Die Rückwirkung reicht über zwei abgeschlossene Jahre. Die Entscheidung ist vom 28. August 2025 und gilt ab dem 1. Juni 2023. In manchen Punkten ist die neue Fassung großzügiger als die alte, etwa bei Treasury auf eigene Rechnung und bei der Vermögensverwaltung. In anderen ist sie enger. Wer 2023 und 2024 auf Grundlage der alten Fassung erklärt hat, sollte beide Jahre gegen die neue Liste halten, und zwar in beide Richtungen.
Und was als Nebentätigkeit durchgeht, steht nicht fest. Die Entscheidung sagt, eine Tätigkeit sei Nebentätigkeit, wenn sie für die Haupttätigkeit notwendig ist oder nur einen geringen Beitrag leistet und so eng mit ihr zusammenhängt, dass sie nicht getrennt zu betrachten ist. Das sind drei unbestimmte Begriffe in einem Satz. In klaren Fällen hilft er, in Grenzfällen ist er der Streit selbst. Wer seine Struktur darauf baut, sollte eine verbindliche Auskunft einholen, bevor er den ersten Umsatz schreibt.
Was jetzt sinnvoll ist
Nimm Deine letzte Umsatzaufstellung und ordne jede Rechnung einem Buchstaben zu. Was keinem zuzuordnen ist, ist nicht qualifizierend. Zähl diese Beträge zusammen und stell sie gegen fünf Prozent Deines Gesamtumsatzes.
Wenn Du darüberliegst, trenn die nicht qualifizierenden Umsätze in eine eigene Gesellschaft, bevor der Steuerzeitraum endet. Danach ist der Zug abgefahren, und zwar für fünf Jahre.
Bring die Aufstellung mit, dann machen wir die Zuordnung gemeinsam und sagen Dir, was das kostet und was es spart.