Offshore

Die Kanalinseln Jersey und Guernsey: Warum man über eine Firmengründung auf diesen Inseln nachdenken sollte.

Eine nähere Betrachtung der Unternehmenskultur auf den Inseln Jersey und Guernsey.

Jersey und Guernsey bieten als Unternehmensstandort einige geographische und steuerliche Vorteile.

Wann lohnt es sich also, die Kanalinseln als möglichen Standort ins Auge zu fassen und welche Regeln gibt es zu beachten?

Die Insel Jersey ist die größte der Kanalinseln und mit 107.800 Einwohnern (2019) die bevölkerungsreichste der Inselgruppe. Auch wenn diese geographisch zwischen England und Frankreich liegen, befinden sich die Kanalinseln seit 1066 unter der Kontrolle Großbritanniens. Aus politischer Sicht gilt Jersey als unabhängig und regiert sich selbst, wird aber als ‘Crown Dependency’ angesehen. Sie ist also der britischen Krone unterstellt. Das Rechtssystem Jerseys ist unabhängig von den anderen Kanalinseln oder Großbritannien. Die Art des Systems ergibt sich aus den Einflüssen verschiedener anderer Rechtssysteme, insbesondere dem normannischen Gewohnheitsrecht, dem englischen Gewohnheitsrecht und dem modernen, französischen Zivilrecht. Deshalb wird das Rechtssystem auf Jersey als gemischt und pluralistisch beschrieben. Die Insel ist innerhalb weniger Stunden von über 30 europäischen und britischen Städten zu erreichen. Jersey hat eine eigene Währung, den Jersey Pfund, welcher gleichstehend und austauschbar mit dem britischen Pfund ist. Noch vor der Tourismusbranche ist der Finanzsektor der umsatzstärkste der Insel. Womit wir schon bei unserem eigentlichen Thema angekommen sind:

Die Vorteile der Firmengründung auf Jersey

Jersey ist ein sogenanntes Null-Steuer Gebiet, was in der Wirtschaftswelt natürlich bekannt ist. Die Regierung von Jersey ist sich also vollkommen im Klaren darüber, dass die Null-Steuer Regelung die Insel im Prinzip ein beliebtes Ziel für Steuerhinterziehung und Geldwäscherei macht. Deshalb basiert die Unternehmenskultur auf Jersey auf der Grundlage der absoluten Transparenz und der Instandhaltung des guten Rufes. Jersey, Guernsey und die Isle of man gelten als die einzigen wirklichen Null-Steuer Gebiete in Europa. Denn ein Unternehmen kann auf Jersey seine eigene rechtliche Einheit darstellen und gleichzeitig muss keine Körperschaftsteuer entrichtet werden. Außerdem kann der Betrieb vor Ort stattfinden, weshalb der Gewinn des Unternehmens als lokales Einkommen gilt und trotzdem steuerfrei ist. Letzteres ist extrem wichtig, da es zwar in anderen Staaten, wie zum Beispiel auf Zypern und Gibraltar die Möglichkeit gibt, ein Nullsteuer Unternehmen als Person mit Non-Dom Status zu führen. Jedoch fällt in diesen Ländern, genauso wie auf Malta, welches ähnliche Strukturen bietet, eine Steuer auf lokal erwirtschaftetes Einkommen an. Die einzigen Ausnahmen auf Jersey und Guernsey sind Banken und Finanzunternehmen welche eine Körperschaftsteuerrate von 10% zahlen. 

Weitere Vorteile von Jersey als Unternehmensstandort sind folgende:

  • Es gibt keine Verpflichtung, sich als Unternehmen einem Testat zu unterziehen, wodurch die Instandhaltungskosten des Unternehmens stark sinken

  • Es gibt eine Vielzahl von verschiedensten Bankenvertretungen vor Ort

  • Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Unternehmensformen

Nachteile von Jersey als Unternehmensstandort

Natürlich bringt eine solch unternehmerfreundliche Kultur auch einiges an Bedingungen mit sich. Da Jersey sich komplett auf die Wahrung des guten und transparenten Rufes stützt, kann sich nicht jedes Unternehmen so einfach dort ansiedeln.

Das bedeutet konkret:

  • Ein langwieriger Prozess der Unternehmensgründung und genaues Durchleuchten der Gesellschafter sowie des Unternehmenszweckes

  • Banken erschweren die Unternehmensgründung und verlangen in den meisten Fällen eine lokale Geschäftsleitung

Obwohl Jersey als Standort viele offensichtliche Vorteile mit sich bringt, ist es ungemein schwieriger geworden, hier tatsächlich ein Unternehmen zu gründen. Auf Druck der EU hat Jersey seit Januar 2019 sogenannte ‘economic substance requirements’, also Voraussetzungen zum Beitrag des wirtschaftlichen Wohls der Insel instand gesetzt. Diese erfüllen die Nachfrage der EU, dem etablierten Verhaltenskodex zur Prävention von Steuerbetrug nachzukommen, um dem finanziellen Gesamtwohl der europäischen Union nicht zu schaden. Obwohl Jersey kein offizielles Mitglied der EU ist, wurden die Steuerregelungen der Kanalinseln wegen der Abhängigkeit zum UK öffentlich in Frage gestellt.

Wann ist die Unternehmensgründung auf Jersey also tatsächlich möglich und in welchen Bereichen lohnt sie sich?

Die in 2019 eingeführten Regelungen zur Kontrolle und Förderung des wirtschaftlichen Wohles auf der Insel Jersey haben insgesamt neun Sektoren festgelegt, welche als steuerlich relevante Aktivitäten eingestuft worden sind und sich deshalb einer genaueren Prüfung unterziehen müssen. Diese sind:

  • Banking

  • Versicherungswesen

  • Vermögensverwaltung

  • Finanzierung und Leasing

  • Versandhandel

  • Geistiges Eigentum

  • Die Vermietung von Firmensitzen

  • Vertriebs- und Kundendienstzentralen

  • Holdingesellschaften

Unternehmen welche in oben genannten Aktivitäten angesiedelt sind, müssen ihren Beitrag zum wirtschaftlichen Wohles der Insel durch folgendes nachweisen:

  • sie müssen in Jersey betrieben und geleitet werden

  • sie müssen dementsprechendes Personal, Betriebsraum und Ausgaben auf der Insel haben

  • sie müssen Aktivitäten ausführen, welche maßgeblich zum Kerneinkommen von Jersey beitragen (CIGA)

Alle Unternehmen müssen damit rechnen, nach weiteren Angaben auf ihrer Steuererklärung gefragt zu werden.

Die wirtschaftlich ertragreichsten Sektoren auf Jersey sind der Finanz- und Rechtsbereich. Der Finanzsektor trägt insgesamt 40% zur gesamten wirtschaftlichen Leistung der Insel bei.  Wie bereits oben beschrieben, achtet das Finanzamt besonders auf neu gegründete Unternehmen im Finanzsektor. Das Gründen von Offshore Gesellschaften zur reinen Vermögensverwaltung und -wachstum ist somit auf den Kanalinseln fast nicht mehr möglich.  Auch die Unternehmensgründung von aktiven Firmen in diesem Bereich ist eventuell schwierig durchzuführen oder wird von vornherein abgelehnt.

Blühender Sektor der digitalen Technologien

Ein Sektor in dem es sich durchaus lohnt, über eine Firmengründung auf Jersey nachzudenken, ist der Bereich der digitalen Technologien. Die Regierung von Jersey hat es sich zum Ziel gemacht, die Entwicklung von Unternehmen in diesem Bereich finanziell zu fördern und unterstützt dies mit der notwendigen Politik und Gesetzgebung. Die Insel hat sich in den letzten Jahren durchaus einen Namen in der Digitalwirtschaft gemacht, nachdem sich immer mehr Tech-Unternehmer dort niederlassen. Die Digitalwirtschaft wird von der Organisation Digital Jersey unterstützt und vorangetrieben. Sie bietet Möglichkeiten, die notwendigen Fähigkeiten zur Arbeit in diesem Bereich zu erlernen und unterstützt Start-Ups.

Tourismus und Gastgewerbe

Mit über 300 Restaurants und jährlichen Besucherzahlen von über 400.000 Touristen ist die Tourismusbranche eine der wichtigsten der Insel. Es arbeiten um die 6000 Bewohner von Jersey im Tourismusbereich. Die Jersey Hospitality Association unterstützt Unternehmen in dieser Branche.

Landwirtschaft und Fischerei

Landwirtschaft hat auf Jersey eine lange Tradition.  Mehr als die Hälfte der Landfläche auf Jersey wird dafür genutzt. Auf der Insel gibt es über 300 Unternehmen in dieser Branche. Der größte Export der Insel sind Kartoffeln. Auch Fisch und Meeresfrüchte, insbesondere Austern, stellen eine große Einkommensquelle der Insel dar.

Guernsey

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Bekannt für ihre reizvollen Klippen, Schloss Cornet und Hauteville House, dem  ehemaligen Wohnsitz des Dichters Victor Hugo, ist die Kanalinsel Guernsey. Sie liegt westlich von Jersey und bildet zusammen mit den kleineren Inseln Herm, Lihou und Jetouh die Ballei von Guernsey. Guernsey ist wie Jersey der britischen Krone unterstellt, also eine ‘Crown dependency’.

Genauso wie auf Jersey, gilt auf Guernsey die besagte Nullsteuer-Regelung. Die Insel hat weltweit ein hohes Ansehen, was das Thema Unternehmenssicherheit angeht und die Regierung von Guernsey arbeitet hart daran, diesen Ruf zu wahren. Ein neues Unternehmen auf der Insel zu gründen ist deshalb nicht einfach, eine Offshore-Company geradezu unmöglich. Gleichermaßen wie Jersey hat Guernsey die Regelungen zu economic substance, also die Vorschriften, welche das wirtschaftliche Wohl Guernseys instand halten sollen, auf Druck der EU eingeführt. Unternehmen, welche Aktivitäten in den oben genannten Bereichen ausüben, müssen sich also einer genauen Überprüfung unterziehen.

Beide Inseln stehen seit 2009 auf der weißen Liste der  Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OWZE), da sie der notwendigen Gesetzgebung und Offenheit in der Prävention von Steuerhinterziehung und Betrug nachkommen.

Die Vorteile von Guernsey als Unternehmensstandort sind generell die gleichen wie bei der Insel Jersey. Es fällt also auf dort erwirtschaftetes Kapital keine Körperschaftsteuer an. Ausgenommen sind Unternehmen im Finanzsektor und Banken, welche 10% Steuern zahlen müssen. Wie auf Jersey gibt es auf Guernsey keine Kapitalertragsteuer, Erbschaftsteuer oder Mehrwertsteuer. Die einzige Steuer die zu entrichten ist, ist eine Einkommensteuer von 20%. Im Unterschied zu Jersey gelten in Guernsey jedoch andere Regeln, was die Verpflichtung zum Testat von Unternehmen angeht. Wohingegen Unternehmen in Jersey nicht zum Testat verpflichtet sind, müssen sich Gesellschaften auf Guernsey einem Testat unterziehen, können sich aber eventuell um einen Testaterlass bewerben. Große Unternehmen sind von einem solchen Erlass grundsätzlich ausgeschlossen. Außerdem ist es UK Unternehmen grundsätzlich nicht erlaubt, nach Guernsey überzusiedeln. Unternehmer aus dem United Kingdom müssen in diesem Falle eine neue Gesellschaft auf Guernsey gründen.

In welchen Bereichen macht eine Unternehmensgründung auf Guernsey Sinn?

Die Regierung von Guernsey fördert die Unternehmensgründung in bestimmten Sektoren und Unternehmer haben es eventuell leichter, in diesen Bereichen eine Neugründung auf der Insel durchzuführen. Genauso wie auf Jersey hat Guernsey einen bereits stark etablierten Finanzbereich und viele der Aktivitäten, welche zur erhöhten Transparenz durch die OWZE beitragen, befinden sich im Finanzbereich. Andere Sektoren jedoch werden in Guernsey von Förderprogrammen und Unternehmensinitiativen unterstützt.

Gleichsam wie auf Jersey fördert auch Guernsey den Aufbau von in der Digitalwirtschaft orientierten Unternehmen. Diese werden u.a. durch die Ausbildung der notwendigen Arbeitskräfte, den Ausbau der dazu notwendigen Infrastruktur durch die Garantie einer optimalen Netzwerkverbindung und durch die Garantie von Cyber-Security unterstützt.

Auch der Bausektor wird in Guernsey staatlich gefördert. Da die Nachfrage nach kommerziell nutzbaren Gewerbeimmobilien in den letzten Jahren stark gesunken ist,  unterstützt die Regierung Initiativen zur Förderung von Investitionen in die Infrastruktur, sowie den Ausbau des Einzelhandels, welcher einen stark vertretenen Beschäftigungsbereich auf der Insel darstellt. Weitere Bereiche, sie staatlich gefördert werden sind kreative Industrien, Manufaktur, Medien und die Entwicklung von geistigem Eigentum sowie Unternehmensdienste.

 

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