Ukraine - ein interessanter Standort für IT-Unternehmen?

Die Ukraine ist mit seinem riesigen Markt und seiner Bevölkerung von fast 46 Millionen ein attraktives Land für beinahe jedes Geschäft. Das Land befand sich vor Kriegsbeginn in einem wirtschaftlichen Aufschwung. Seit Anfang des Krieges leidet die Bevölkerung auch die Wirtschaft extrem unter den Kriegsfolgen. Wichtige Infrastruktur wurde zerstört, Seehäfen blockiert und wichtige Arbeitskräfte befinden sich auf der Flucht oder an der Front.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) rechnet für das Jahr 2022 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 30 Prozent. Je nach Verlauf des Krieges prognostiziert das EBRD aber einen Anstieg des BIP um 25 % für 2023. Vor allem der Agrarsektor, die Nahrungsmittelindustrie und die IT-Branche versprechen große Wachstumsaussichten.

In der aktuellen Episode des Podcasts Perspektive Ausland reden wir darüber, welche Chancen und Möglichkeiten die Ukraine Unternehmern bietet. Zu Gast heute bei uns: die Rechtsanwälte Igor Dykunskyy und Olga Ianushevych der Kanzlei DLF. 

Ist es steuerlich attraktiv, in der Ukraine ein Unternehmen zu gründen?

Die Umsatzsteuer liegt in der Ukraine bei 20 %, aber diese muss erst ab einem Umsatz von 1 Million UAH (Griwna) pro Kalenderjahr geleistet werden.

Ukrainische und ausländische Unternehmen, die in der Ukraine ihrer Geschäftstätigkeit nachgehen, müssen eine Körperschaftsteuer von 18 % bezahlen. Unter bestimmten Umständen kann diese jedoch gesenkt werden. Unternehmen, die in der Ukraine keine steuerlichen Residenten sind, werden beispielsweise nur mit 15 % besteuert.

Außerdem gibt es seit 2012 ein vereinfachtes Besteuerungssystem für Einzelunternehmer, juristische Person und Agrarbetriebe. Gesellschaften können wählen, entweder 5 % Einheitssteuer ohne Mehrwertsteuer, oder 3 % Einheitssteuer plus 20 % Mehrwertsteuer zu bezahlen.

Residenten und Nichtresidenten müssen außerdem in der Ukraine eine Militärabgabe von 1,5 % zahlen.

Warum ist die Ukraine für IT-Unternehmen interessant?

Die IT-Branche boomt in der Ukraine seit Jahren. Daher verwundert es nicht, dass es weltweit zu den Ländern mit den meisten IT-Fachkräften gehört. Die über 300.000 IT-Spezialisten sprechen mindestens mittelmäßig Englisch. Obendrein steuert die IT-Branche 4 % zum BIP bei, womit die Ukraine etwa gleichauf liegt mit Ländern wie Frankreich und Deutschland. Wichtige Bereiche, die die Ukraine bedient, sind E-Commerce, Banking oder Fintech.

Das größte Land Europas hat zudem ein sehr gut ausgebautes Glasfasernetz. Und die Ukraine hat die Regularien für das von Elon Musk betriebenen Starlink-Satellitennetzes gelockert, sodass ukrainische Unternehmen mehr als 10.000 Starlink-Terminals erhielten.

Um günstige Bedingungen für die weitere Entwicklung und Förderung der IT-Branche zu schaffen, wurde in der Ukraine 2020 ein Projekt namens „Diia City" ins Leben gerufen. Dafür wurde am  1. Januar 2022 ein Gesetz „Über die Stimulierung der Entwicklung der Digitalwirtschaft in der Ukraine" verabschiedet. 

Dieses Gesetz sieht spezielle Rechts- und Steuerregelung vor. IT-Unternehmen können “Diia City” ansässig werden, wenn Sie in der Entwicklung von Computersystemen, Software, Computerspielen, Fortbildung im IT-Bereich, Webseitenerstellung, Robotik, Marktforschung und Werbung im Internet tätig sind. Voraussetzung für die “Diia City” Residenz ist, dass ein Unternehmen mindestens 9 IT-Spezialisten mit einem Mindestgehalt von umgerechnet 1.200 € beschäftigt.

Ein großer Vorteil für die Unternehmen mit Ansässigkeit in “Diia City” ist, dass sie zu besonderen Bedingungen von einer reduzierten Körperschaftsteuer von 9 % profitieren. Die Einkommensteuer für IT-Spezialisten liegt bei einem Jahresgehalt bis 240.000 € bei 5 Prozent.

Welche Branchen sind noch interessant?

Dass die Ukraine eine wichtige Rolle bei der Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung spielt, weiß seit Kriegsbeginn sicherlich jedermann. Auch aufgrund der fruchtbaren Schwarzmeerböden trug der Sektor Landwirtschaft im Jahr 2021 fast 11 Prozent zum BIP bei. 

Großes Potenzial besteht außerdem im Bereich erneuerbare Energien, da die Regierung plant, veraltete Kohlekraftwerke sowie Atomenergie zu ersetzten.

Die Nachfrage nach Maschinen wächst ebenfalls. Die Regierung will die Eisenbahn modernisieren und die Luft- und Raumfahrtindustrie fördern. 

Auch die Medizintechnik ist ein Wachstumsmarkt in der Ukraine. Vor allem die Covid-19 Pandemie sorgte 2019 und 2022 für eine Sonderkonjunktur.

 
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